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+---Thema: Seidenmatt / Honey for Petzi Split Eröffnet von Ulrich


Beitrag von: Ulrich an 25. 12 2004, 21:19

HONEY FOR PETZI / SEIDENMATT SPLIT 10”

Stil: Post-Rock
Release: November 2004
Label: Sinnbus Records / Berlin , Gentlemen Records / Lausanne
Spielzeit: 4 Songs, ca. 19 Minuten

< http://www.sinnbus.de >
< http://www.getlemen.de >
< http://www.seidenmatt.de >

Honey For Petzi und Seidenmatt: eine Kollaboration die Sinn macht. Sowohl die Schweizer aus Lausanne und dem Favez-Umfeld, als auch die Hauptstädtler aus Berlin und dem Sinnbus-Umfeld spielen symphatischen Post-Rock der zu erschließenden Sorte. Für Gelegenheitshörer und für Menschen, die Musik als Beschallung für jedwede Tätigkeit benötigen ist diese 10“ absolut nichts. Auf diese Weise würden die ruhigen und manchmal fast zerbrechlich wirkenden Songs zur Hintergrundsmusik degradiert und keiner hätte was davon.
Honey For Petzi sind mit einem Track vertreten, der als zwei Songs daherkommt und noch konventionellerem Post-Rock huldigt. Will heißen: Slint sind genauso spürbar wie Godspeed You! Black Empereor. In Dramatik wechselnde Motive mit spannungsaufbauenden Inhalten, die zu fesseln wissen; zusammen über 11 Minuten dauern und doch schneller vorbei sind als man „coolaberirgendwasfehlt“ sagen kann. Dabei weiß Honey For Petzi-Part II namens My Favourite Berliner besser zu gefallen und wenn man beim Musik hören mit anderen Dingen als Musik hören beschäftigt ist rauscht Teil eins auch schon mal gänzlich an dir vorbei.
Die Gefahr ist bei Seidenmatt sogar noch größer. Die Musik Seidenmatts ist eisig klar und zerbrechlich. Vieles wird nur angedeutet, man appelliert an das musikalische Vermögen von Herz & Hirn den Rest selbst hinzuzufügen. Schlüssig, dass sich die Band selbst auch „Sdnmt“ nennt. Das substanzlose und leicht zu entgehende interessiert Seidenmatt. Das klingt in den Namen an die sie ihren Liedern geben: Wasserluft heißt ihr Debütalbum, ihr zweites Stück auf dieser Split (und wiederum das wesentlich stärkere) nennt sich Durchlicht. Wie Röntgenlicht für Menschen unsichtbares Licht ist, dass in das tiefste innere des menschlichen Körpers vordringen kann um Dinge zu enthüllen, die uns sonst verborgen blieben streicht die Musik Seidenmatts an unserem Ohr vorbei und es sind Dinge, die das menschliche Ohr nicht wahrzunehmen in der Lage ist, die Dinge enthüllen und Reize berühren.
Musik die man am besten auf einsamen Zugfahrten ins Ungewisse per Kopfhörer rezipieren sollte, wenn Musik nicht von einer verortbaren Klangquelle zu stammen scheint, sondern direkt in deinem Kopf abgespielt wird; im Raum hängt und Teil von dir wird.
Doch die Gefahr, dass die Leute das alles gar nicht wahrnehmen werden, die ist riesig...
Fazit: Eine durchaus interessante Split zweier sicher interessanten Musikgruppen – für die man sich aber schon interessieren muss.

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