Stil: Progressiver Death Metal Label: Music For Nations Release: 4.11.02 Spieldauer: 6 Songs, 61:50 Minuten Anspieltips: Deliverance, Master's Apprentices
Opeth ist wahrlich keine Band, die für leicht zugängliche Musik bekannt ist. Umso beeindruckender ist es, dass sie es selbst mit ihrem sechsten Album, "Deliverance", noch schaffen, die Hörerschaft vor den Kopf zu stoßen. Mit dessen Release ging ein Aufschrei durch die Reihen der Opeth-Fans, die ihre Lieblings-Progressivos aus Schweden unter all der Monotonie und Härte nicht wiederzuerkennen glaubten. Neueinsteiger fragten sich, ob das wirklich die legendäre Band mit dem einzigartigen Sound sein sollte, von der man so viel gehört hatte. Einige wenige prophezeiten: Gebt dem Album Zeit, und alles wird gut. Was war passiert? Hatten Opeth einen Gastrapper ins Studio geladen? Mit Techno experimentiert? Glücklicherweise nicht. Tatsächlich ist "Deliverance" die erste Hälfte eines Doppelalbums, dessen zweiter Teil "Damnation" diesen März erscheinen wird. Der Plan war, dem ersten Teil die harte, metallische Seite der Band zu reservieren, dem zweiten die akustische und sanfte. Als Resultat dieser Trennung ist "Deliverance" für ein Opeth-Album ungewöhnlich direkt, geradeaus und mitunter eintönig, was wiederum zu oben erwähnter zweigeteilten Reaktion geführt hatte. Mittlerweile sind die Wogen geglättet, und die meisten Leute haben eingesehen, dass die Vorraussage der Wenigen eingetroffen ist. "Deliverance" braucht wirklich seine Zeit. Auf der Oberfläche ist das Album über weiten Strecken vor allem eins: monoton. Ganz besonders auffällig ist das, da Opeth früher nicht verlegen waren, alle anderthalb Minuten eine Kehrtwende im Song zu vollziehen und ihn irgendwo enden zu lassen, wo man es anfangs nie vermutet hätte. Jetzt hingegen werden oft minutenlang die selben zwei Riffs wiederholt, die akustischen Zwischenspiele sind, wo sie denn noch auftauchen, weitaus berechenbarer und mit Ausnahme von 'By the Pain I see in Others' sind die Songs in sich geschlossen. Der Opener "Wreath" beispielsweise beginnt reichlich flott mit schlängelndem Riffing, bis er bald darauf etwas ruhiger und getragener wird, dann in einem furiosen, rockigen Solo gipfelt und sich schließlich wieder zum Anfangsriff rettet und damit endet. Das alles über 11 Minuten, wohlgemerkt. Abgesehen von der Spielzeit waren Opeth wohl selten so "konventionell" mit ihren Songstrukturen wie hier. Für seine Rolle im Konzept des Doppelalbums weist "Deliverance" allerdings immer noch überraschend viele ruhige Passagen und cleane Vocals auf. Vielleicht zeigt sich hier der Einfluss von Stephen Wilson von Porcupine Tree, der für das Album eng mit Opeth zusammengearbeitet hat. Auf jeden Fall beleben diese "Atempausen" nach wie vor die Musik, indem sie ihr Kontrast und Subtilität verleihen, wenn sie auch die reichlich düstere Grundstimmung nicht auflockern, sondern eher noch verstärken. Diese Funktion erfüllt auch "A Fair Judgement", das kürzeste reguläre Lied, das mit seinen melodischen Leads, dem durchgehend klaren Gesang und dem zurückhaltenden Schlagzeug aus dem umgebenden Riffgewitter herausragt und den Höhepunkt des Albums darstellt. Zwar spricht der Umstand, dass das beste Lied auf "Deliverance" gleichzeitig das ist, das am ehesten auf den früheren Alben hätte stehen können, nicht wirklich für den "neuen Stil", aber andererseits ist "A Fair Judgement" wirklich konkurrenzlos gut. Unter der oberflächlichen Monotonie zeigt sich schließlich ein überraschend facettenreiches Album. Warme 70er-Jahre-Nostalgie steht neben behäbig kriechenden Riffs, Bongotrommeln neben akustischen Gitarren, tiefe, tiefe Growls neben Mellotrons. Und irgendwie schaffen es Opeth, das alles plausibel in Einklang zu bringen.
Fazit: Kein einfaches, aber ein gutes Album. Probehören ist auf jeden Fall Pflicht, auch für Opeth-Kenner. Wer sich darauf einlässt, kann "Deliverance" geradezu beim Wachsen zusehen. Wertung:
? ich lade mir viel runter, aber kaufe mir noch mehr wenn eine band mir nach dem herunterladen nciht gefällt gebe ich doch kein geld dafür aus (oder wenn die band nur ein-zwei gute songs hat) die kritik mag bei vielen berechtigt sein, aber bei den meisten hier ist sie es nicht