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Überschrift: Rock im Park 2006, 2. - 4. Juni 2006 - Volkspark Dutzendteich, Nürnberg< Älteres Thema | Neueres Thema >
Sven Offline
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Gruppe: Redaktion / Admin
Beiträge: 2968
Seit: 09 2002
Verfasst am: 06. 08 2006, 22:18

Rock im Park 2006
Volkspark Dutzendteich, Nürnberg
49 000 Besucher
Preis: 131 Euro (3-Tage-Kombiticket)



Megalomania

Das Rock im Park, dass dieses Jahr nun wieder zentral in Nürnberg statt findet, wird mit seiner neuen alten Lage, am ehemaligen NS-Versammlungsplatz gelegen und unweit eines (größeren) Fussballstadions, seinem Namen nun wieder gerecht. Denn was wichtiger ist: das Zeltgelände an sich schmiegt sich harmonisch in ein Grüngelände ein, wo es von zwei Seen flankiert wird. Warum nun der weitaus größere der beiden Teich und der kleine See heisst, mag Geheimnis bleiben, auf jeden Fall gibt das einen stimmungsvollen Rahmen her. Das den aber sowieso keiner zu würdigen weiss, beweisen dann aber schwimmende Gartenstühle und Bierfässer ab Tag eins. Nun gut. Es soll ja auch amtlich gerockt werden. Könnt ihr haben.

Leider wollen es örtliche Gegebenheiten, dass der Weg zur Centerstage dann doch etwas lang gerät. Auf Dauer ein Problem, denn wenn man wie Herr Rezensent überwiegend die Indiebresche schlägt, dann muss man sich eben dorthin oder zur berzeichnenden aber gar nicht so Alternastage begeben. Das aber dann auch mitgedacht wurde, wird beim Blick auf den Spielplan doch deutlich: auf der Alternastage spielen am Freitag etwa Cradle Of Filth, Lacuna Coil und In Flames ihre Sets fast hintereinander ab. Dienst am Kunden.

Auf die lichte Seite der Gitarren: fröhlicher Juxpop servieren wieder die Kaiser Chiefs und Spass ist garantiert. Im nahezu fliehenden Wechsel bedienen die Sportfreunde Stiller gleich weiter, um eines mal deutlich zu machen: vor dem WM-Terror ist man nirgendwo sicher. Franz Ferdinand wie Placebo zeigen später eindrucksvoll, wo Indierock anno 2006 steht; erstere setzen bei eitel Sonnenschein noch auf gute Laune, letztere schaffen es gar in einem Rahmen vor 30 000 Menschen Athmosphäre zu erzeugen. Amtlich und wider vager Befürchtungen mancher kein bisschen altersschwach.

Bereits um 21.00 Uhr beginnen Depeche Mode, den ersten Abend zu beschliessen - wird wohl mit Konzessionen zu Gunsten des Lärmschutz zusammen hängen, denn sprichwörtlich die nächste Tür schon wohnen Leute. DM aber gehen definitiv als ein Highlight dieser drei Tage durch, was zum einen an der ausgezeichneten Stimmung liegt, zum anderen selbstverständlich an three guys from Basildon. Eine schöne Show und viele Hits halten alle Versprechen, ganz ähnlich den Pet Shop Boys zu anderer Zeit und Ort.

Beenden dürfen diesen Abend unsere liebsten Franzosen die Gitarren geschultert haben, Phoenix. Während ich im falschen Zelt stehe und nicht relevanten Dj's zuhöre, verpasse ich beinahe den Auftritt, und schaffe es dann aber doch noch rechtzeitig in die Club Stage. Wunderbar unbekümmert wird irgendwann der Heimweg angetreten.

War's das so? Halt, einer sollte nicht unerwähnt verbleiben: Bushido. Spassvogel und Sonnenschein des deutschen Rap. Spass verstehen wäre anzuraten, wenn einem ein derartiger Empfang bereitet wird; es hagelt alles, was man so werfen kann bereits bevor Mr. "Gebt-mir-ein-Mic" die Bühne besteigt. Das ist intolerant, aber auf den Punkt gebracht. Ehre wem Ehre gebührt.

In der Theorie spricht man bei einem musikalisch derart auseinander gehenden Line-Up, das auf der einen Seite Jägermeisterpop (die Bloodhound Gang), auf der anderen Seite messerharten Rock (Metallica, anyone?) auffährt, von Vielfalt, die "jedem etwas zu bieten hat". Nur, und hier endet Theorie und beginnt Realität, geht das Konzept nicht auf, wenn dann die jeweiligen Fans unter sich bleiben und sich für das andere Lager nun mal herzlich wenig interessieren.

The Zutons, mit einem etwas undankbaren Platz nach Schmuserapper Flipsyde mittages um drei bedacht, spielen beherzt auf. Es wird nach nun zwei veröffentlichten Alben auch langsam Zeit. Mit dunklem (Indie-, wohlgemerkt) Chic vollenden Editors den Kreis, den die Zutons aufgemacht haben.
Juliette & The Licks könnten sich mit etwas Phantasie auf ähnliche Weise mit The Streets ergänzen, und überlegt man so recht, wäre ein Duett von Ms. Lewis und Mr. Skinner auch eine amüsante Sache gewesen - so aber rockt jeder für sich. Juliette sehr bemüht und ausbaufähig, Skinner ohne Frage souverän wie immer. Tool beenden die Centerstage am Samstag, und für das, was ich jetzt sage, würden mich sicher nicht wenige auf der Stelle gerne lynchen. Ich sehe diese vermeintlich einmalige Gelegenheit aus perfekter Position, aber es interessiert nicht. Sie sind nie mein Ding gewesen, die Lichter, die da flashen, die Gitarren, die bauen, die Projektionen, die irritieren. Ich winke dankend ab.

Eventuell einem neuen Trend auf der Spur, erlebe ich eines Tags ein Mädchen, dass overdressed zu nennen wohl noch Untertreibung wäre. Aber was heisst auf einem Event wie diesem schon overdressed. Sie berichtet mit glühenden Augen von den Visual Kei Bands Kagerou und Dir En Grey, für welche sie einzig angereist ist. Als sie sich dann darüber echauffiert, dass eine gewisse populäre Kinderband diesen Stil nun hemmungslos kopiert (leichten Ansatz von Schminke, leicht exzentrischen hairdo), klinke ich mich aus.

Nelly Furtado und Jamiroquai bedienen ein wie auch immer geartetes Massenpublikum, Paul Weller kommt ein wenig altersklug und entspannt rüber, und Morrissey lässt erahnen, warum er in seiner Heimat stellenweise angebetet wird wie ein Guru einer eigenen Religion. Es ist das Lässige, das ich-habe-alles-gesehen, die große Geste im kleinen Handschwung, alles gebündelt in einer nicht euphorisierenden aber zufrieden machenden Darbietung. Für etwas Clubathmosphäre sorgen zugereiste Engländer, und Moz, ganz seiner Wirkung bewusst, muss da nun wirklich nicht mehr nachfragen. Tut er aber trotzdem.








Wer sich nur lange genug auf das linke Bild konzentriert, dem erscheinen neonfarbene Tierfiguren. Rechts passiert nichts.

Die absolute Überraschung aber ist, dass die Babyshambles tatsächlich auftreten. Pete Doherty hat den Weg nach Mittelfranken unglaublicherweise gefunden, und dank dieser Nachricht ist die Stimmung sehr gut unter sicher nicht wenigen Fans, die ihr Glück mal wieder versuchen wollten. Kaputt und mit der Welt zufrieden.

Gleiches darf wohl 49 000 Besucher gelten, denn es stimmt: hier sind alle etwas jünger und betrunkener, lauter und auch jederzeit zahlreicher auf dem verwinkelten Zeltgelände zu finden. Einen schlecht gelaunten Eindruck hat dabei niemand auf micht gemacht. Wieso auch, denn wen es hierher zieht, der weiss eben genau, worauf er sich einlässt.
Und wenn auch das Rock im Park als Einzelveranstaltung auch dieses Jahr keinen Gewinn gemacht hat, weil die grossen Player all das liebe Geld wieder aufgefressen haben, bleibt fest zu halten: Verlässlichkeit ist ein nicht zu unterschätzendes Gut.

[Fotos: Stefan Link]
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0 Antworten seit 06. 08 2006, 22:18 < Älteres Thema | Neueres Thema >

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