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| INTERVIEW captain_planet |
Mit ihrem Debütalbum Wasser Kommt, Wasser Geht legen Captain Planet das wohl beste deutsche Punkrockalbum des Jahres, ach was sagen wir, seit langer, langer Zeit vor. In Kassel trafen wir die gutgelaunten Nordlichter und durften uns sowohl von ihren Qualitäten auf der Bühne, als auch im Gespräch überzeugen.
"Wir sind ja der Meinung, dass der Punkt an dem man eine Band zum ersten Mal hört eh nie wieder getoppt wird" sagen die Jungs von Captain Planet und liegen damit völlig falsch. Als vor zwei Jahren die EP Unterm Pflaster Der Strand mit dem Hit Baumhaus veröffentlicht wurde, gab es schon kaum mehr Zweifel, dass da eine kleine Band Punkrockperlen zu schreiben in der Lage ist, wie man sie hierzulande selten findet. Die melancholischen, rückwärts gewandten und doch so lebendigen Texte waren damals schon von besonderer Qualität. "Wir sind zu der Zeit alle vom Land nach Hamburg gezogen und haben angefangen zu studieren. Da entstehen schon mal so sentimentale Momente" so Gitarrist Benni. In der Tat ist das Bild des abgebrannten Baumhauses, in dem man zum ersten Mal gefeiert und getrunken hat von besonderer melancholischer Schönheit. Das abschließende "Muss auch mal gut sein irgendwann" zeigte jedoch schon damals in welche Richtung es für die Hamburger weitergehen sollte und mit welcher Platte sie ihren eingangs zitierten Satz lügen strafen würden.
Vor einem guten
Monat ist nun nämlich das Debütalbum Wasser Kommt, Wasser Geht
erschienen und hat gerade in diesem Jahr neue Maßstäbe für deutschen Punkrock
gesetzt. Das ist schon allein deshalb bemerkenswert, weil immerhin auch Bands
wie Turbostaat, Muff Potter, Kommando Sonne-Nmilch oder Escapado in den letzten
Monaten ihre neue Platten veröffentlicht haben. Aber lediglich die Kumpels und
ständigen Tourpartner von Matula können mit ihrem Kuddel noch
einigermaßen mithalten. Doch was ist es eigentlich, was Captain Planet so
auszeichnet?
Da ist zunächst Sänger Arne von Twistern, der seine Texte über Erinnerungen an
vergangene Sommer, ans Unterwegssein, an besondere Momente, an Menschen und Orte
voller Inbrunst teilweise spricht und teilweise singt. Allerdings sind die Texte
auf der Platte nicht mehr nur noch rückwärtsgerichtet. "Ich würde es eher als
schweifenden Blick bezeichnen. Aber klar, im Prinzip setzen wir uns schon
hauptsächlich mit uns selbst auseinander" so der Frontmann, der auch die zweite
Gitarre spielt. Musikalisch liegt das Hauptaugenmerk auf Hauptgitarrist Benni
Sturm, der sich für wunderbare Melodien, ständige Tempowechsel und auch
gelegentlich die zweite Stimme verantwortlich zeichnet. Unter allem ruht ein
dichtes Fundament aus Bass und Schlagzeug, angerührt von Marco Heckler und
Sebastian Habenicht.
Die
sich im Gespräch herauskristallisierenden Einflüsse von Hot Water Music, At The
Drive-In, aber auch der ein oder anderen Melodycoreband, sind aus dem doch sehr
eigenständigen Sound der "Planets" eher selten herauszuhören. Zu selbstbewusst
und schlicht und einfach zu gut, als das man sie irgendwo einordnen wollte, geht
die Band in ihren elf Songs zu Werke. Zur Emo-Frage meint Benni nur:
"Wichtig ist uns in erster Linie, dass es nach vorne geht. Es darf auch
mal ruhig sein und es kann auch mal schön muggelig werden. Aber es muss trotzdem
zornig bleiben." Dabei zieht sich dann auch der Albumtitel wie ein roter Faden
durch die elf Songs. In seinen Texten möchte Arne nicht mehr nach draußen, wenn
es regnet, aber das Wasser kommt sowieso auch durch löchrige Dächer und
überhaupt haben die Autos, die von Süden kommen Regentropfen auf den Scheiben.
Zwischen Himmel und Alster ein schäumendes Meer. Und Jungs, wie ist das
eigentlich mit der Küstenpunkattiüde? "Naja, da kommen wir ja nicht drum herum."
So sympathisch, so ehrlich, so greifbar und vor allem so schön hat einfach schon lange keine deutsche Band mehr Punkrock gemacht. "Heute Nacht hab ich die Welt verstanden – und sie mich!"